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Rezension: Magic Cleaning

Meine äußere Erscheinung mag suggerieren, dass ich eine vorbildliche Hausfrau bin – nein, bin ich nicht, ich bin eher eine „Haussau“ oder wie Doris Day als Beverly Boyer so schön sagte: „Mein Name ist Beverly Boyer und ich bin ein Schwein.“ Nun, ich bin kein Messie, aber ich bin ein kleiner Chaot. Dies bringt meine Kreativität so mit sich, denn aus jedem Fitzel „kann man ja noch was machen“. Ich bin also recht unorganisiert und versuche ich dem Chaos mit To-Do-Listen entgegenzutreten, funktioniert das etwa 2-3 Wochen und dann kommt dieser eine Tag, an dem einfach nichts läuft, wie geplant und ich weiß nicht mehr, wo ich bitte die verdammte Liste überhaupt hingelegt habe.

Was mir eigentlich fehlt, sind also gewisse Haushaltsroutinen. Ich bin recht behütet aufgewachsen und da meine Mutter sich bis heute beschwert, dass dort im Haus meine Großmutter die Wäsche wäscht, gab es zu Hause nie richtig Gelegenheit, solche Routinen von klein auf zu lernen. In meiner Studentenbude war es mir egal, da darf es ja auch nach Studentenleben aussehen. In meiner ersten längeren Beziehung waren wir quasi nie zu Hause, so dass eigentlich keine Zeit zum Chaos Machen blieb. In der Anfangszeit mit meinem Mann hatten wir einen gewissen Grund drin – es war immer „semiaufgeräumt“, so dass wir innerhalb einer Stunde klar Schiff hatten, wenn es nötig war. Dazwischen konnte man jemanden rein lassen, ohne erst Berge von der Couch zu räumen.

Dann überraschte uns unser erster Sohn, in dem er etwa ein Jahr früher auf die Welt kam, als wir ihn geplant hätten. Und mit ihm zog das Chaos ein, weil er unseren Alltag gehörig aus dem Tritt brachte. Mein Mann und ich reiben uns seitdem eigentlich auf zwischen Familie, Beruf und Haushalt auf – und natürlich hat jeder von uns noch Hobbies. Wenn man sich zwischen diesen Dingen entscheiden muss, kürzt man Zeit bei der geringsten Priorität. Bei uns ist das der Haushalt. Im Prinzip ist es aber so, er muss den eigenen Ansprüchen genügen – nicht denen der anderen. Wen es stört, dass in einem Haushalt mit Hund mal ein paar Wollmäuse zu sehen sind – der Hund wohnt bei uns, nicht der Besuch.

Der Haushalt muss den eigenen Ansprüchen genügen – nicht den Vorstellungen anderer

Trotzdem zehrt es manchmal an mir – weil 3 Männer innerhalb von 5-10 Minuten meine Arbeit von 1-2 Stunden ungeschehen machen (zumindest optisch). Wir haben (noch) eine Wohnlandschaft (so nennt man diese unförmigen Couches ja heute) mit vielen einzelnen, losen Kissen. Ich verbringe meinen Samstag morgen damit, die Couch erst vom Spielzeug zu befreien, die Kissen auszuschütteln und zu reinigen, das Sofa abzusaugen und die Kissen liebevoll zu drapieren – da kommt Sohn Nr. 1, springt einmal quer übers Sofa das die Kissen links und rechts wieder herunter fallen und baut auf dem frei werdenden Platz sogleich eine Matchboxstrecke. Kind 2.0 quengelt im Laufstall und möchte mitmachen, ich nehme ihn auf den Schoß, wo er nicht lange bleibt, weil er lieber die Matchboxstrecke des Großen auf Stabilität testet. Daraufhin hat der Große jedoch keinen Bock mehr und verschwindet (ohne Matchboxstrecke) in seinem Zimmer. Der Kleine schläft irgendwann in meinem Arm ein, und gerade als ich ihn abgelegt habe, kommt mein Mann nach Hause, schmeißt sich aufs Sofa bzw. auf eine spitze Ecke der Matchboxstrecke und beschwert sich, wieso Spielzeug auf dem Sofa ist.

Eigentlich hatten wir ja die Regel, Spielzeug nicht auf dem Sofa – eigentlich. Aufgeweicht hat sie mein Mann, indem er nicht konsequent darauf achtet. Wie mit vielen anderen Regeln auch. Ich möchte mir schon seit einigen Jahren die Arbeit etwas erleichtern, weil mich oben genannte Erlebnisse einfach frustrieren. Also habe ich einige Haushaltsratgeber durch. Ich selbst halte etwa 3-4 Monate durch, mich an so etwas zu halten – Problem ist, kein anderer im Haus macht mit. Mein Mann liest so gut wie nie ein Buch, also sage ich ihm die Regeln, damit er sie dann boykottieren kann. Nicht absichtlich, nein, aber irgendwie ist es immer so, wir kaufen neue Wäschekörbe, damit er die dreckige Wäsche im Schlafzimmer vor dem Bett aufbewahrt und sich irgendwann fragt, wieso seine Wäsche nicht mehr gewaschen wird. Dabei ist er aber gut darin, mich penibel auf jeden kleinen Fehltritt meinerseits hinzuweisen- bis ich aufgebe. Ein großes Problem ist aber auch – wir haben einfach zu viel Zeug. Als wir zusammenkamen, hatten wir jeder einen kompletten Hausstand, der aber schnell aus der jeweiligen Wohnung geholt werden musste. Dies führte dazu, dass die Kartons nicht so sauber wie bei einem geplanten Umzug  gepackt wurden, sondern einfach gefüllt wurden. Dementsprechend zog erst einmal alles in unsere Wohnung. Wir haben zuviel Besteck, zuviel Geschirr, zuviel Tassen – und jetzt noch zuviel Kinderkleidung, die zu klein geworden ist.

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Das Zusammenleben mit einem Mann zusammengefasst in einem Bild…

Der Geheimtipp im Freundeskreis – die KonMari Methode

„Magic Cleaning“ – nachdem es mir etliche Male auf Amazon angeboten wurde, ich es aber immer wegklickte, weil das Cover sehr „FengShui“-mäßig aussieht, wurde es auf einmal auch von diversen Freunden hochgelobt. In einer Nähgruppe sah ich ein Foto von dem Kleiderschrank, der nach dieser Methode aufgeräumt wurde und war begeistert – ok, beim Preis von 9,99 für das Taschenbuch kann man ja nichts verkehrt machen, dachte ich und kaufte mir das Buch. Ich möchte es Euch hier gerne vorstellen.

Zunächst einmal – der Inhalt ist nicht das, was ich unter diesem Titel erwartet hätte. Wer hier eine Anleitung sucht, wie er im Alltag den Haushalt insgesamt besser strukturiert und zum Laufen bringt oder am Laufen hält – Fehlanzeige (ob es vielleicht dazu in Band 2 „Magic Cleaning – Wie Wohnung und Seele aufgeräumt bleiben“ mehr über das Thema Haushalt im täglichen Leben gibt – wer weiß, ich bin mir nicht sicher, ob ich es herausfinden möchte)! Von der Definition her ist „Aufräumen“ für mich der tägliche/wöchentliche Prozess alles eben an Ort und Stelle zu halten – für Frau Kondo ist Aufräumen= Wegschmeißen. Sie nennt es ausmisten, aber ich nenne es wegschmeißen, denn es geht weit über ein Ausmisten im Sinne bekannter Werke wie Simplify your life hinaus.

978-3-499-62481-0
Bild: Rowohlt Taschenbuchverlag

Nun zum Buch – das Buch ist im Rowohlt Taschenbuchverlag erschienen und umfasst 224 Seiten. Im Original ist es in Japanisch erschienen. Nach dem Vorwort der Autorin gliedert sich das Buch  in 5 Kapitel. Das erste Kapitel beschreibt das grundlegende Problem der häuslichen Unordnung, das zweite Kapitel befasst sich mit der Komplettentrümpelung, im dritten Kapitel geht es laut Überschrift eigentlich um das Aufräumen nach Kategorien (allerdings geht es hier eher auch noch um das Wegschmeißen in den Kategorien, weil sich das zweite Kapitel nur mit der Theorie der Komplettentrümpelung auseinandergesetzt hat). Im vierten Kapitel kommt die Autorin dann nunmehr zu den Aufräumstrategien, um im fünften Kapitel zu erörtern, wie ihre Methode das Leben zu ändern vermag.

Um es Vorweg zu sagen, ich habe mich mit dem Buch schwer getan – nicht, weil ich mich nicht mit dem Thema befassen wollte – andere Haushaltsratgeber habe ich immer an einem Tag von Anfang bis Ende verschlungen. Es mag sein, dass dies daran lag, dass die meisten Bücher dieser Art eher bebildert sind und daher einen besseren Überblick bieten. Zum großen Teil liegt es aber am Schreibstil der Autorin oder an der nicht gelungenen Übersetzung oder an einer Mischung aus beidem. Das letzte Mal, dass ich ein Buch mit soviel Text um „Nichts“ gelesen habe, war ein Buch vom selbsternannten Hundeflüsterer Cesar Milan – ja, es waren brauchbare Passagen dabei, ebenso wie in Magic Cleaning, aber im Großen und Ganzen schreiben beide über sich selbst, wieso sie ungeschlagen auf Ihrem Gebiet sind und ganz viele Beispiele über Klienten, die einen eigentlich nicht interessieren. Aus dem Fließtext muss man sich dann selbst Stichworte nehmen oder Checklisten für das eigene Vorgehen zusammenstellen – denn solche werden von der Autorin nicht geboten. Allein schon deshalb ist das Buch nicht für eine schnelle Umsetzung geeignet. Die Autorin veranschlagt für das Entrümpeln auch etwa eine Zeit von einem halben Jahr. Das Vorwort beschreibt die Methode und den Kern bereits so ausführlich, dass das erste Kapitel statt auf knappen 20 Seiten auch gut in 5-10 Seiten hätte abgehandelt werden können – und so geht es weiter im gesamten Buch, ich lese und wünsche mir, die Autorin käme mal auf den Punkt…

Ich schwanke beim Lesen permanent zwischen Mitleid und Aggression auf Grund gefühlter Übergriffigkeit

Bereits im Vorwort betont die Autorin, dass sie in ihrer Kindheit bereits besessen vom Aufräumen gewesen sei. Auch in den Weiteren Kapiteln gibt es immer wieder Rückblenden, wie sie selbst in ihrer Kindheit und Jugend oder späteren Berufspraxis als „Aufräumcoach“ mit dem ein oder anderen Problem konfrontiert wurde und dies dann durch Studium von Fachzeitschriften und Ratgebern und eigenen Überlegungen gelöst hätte, die dann schließlich zusammengefasst ihre „KonMarie-Methode“ ergeben hätten. Hier drängt sich irgendwie ein Bild der Autorin auf, das etwas Mitleid in mir verursacht – kein anderes Hobby als Aufräumen? Voraus geschickt – im Letzen Kapitel und im Nachwort bestätigt sich dieses Gefühl des Mitleids massiv und ich bin froh, bereits ein Leben zu haben. Denn das Kapitel 5 resümiert, dass wahre Leben beginne nach dem Aufräumen, die Autorin kreist laut eigenen Angaben in Gedanken zu 90% ums Thema Aufräumen…

Jedoch bewirbt die Autorin bereits im Vorwort ihre Methode als einzigen Weg, fordert ein „ganz oder gar nicht“ und rühmt sich einer 100% Erfolgsquote, wenn man den ihre Anweisungen sklavisch befolgt (wer sich wie ich beruflich mit Statistik befasst, wird bemerken, dass dies quasi nicht möglich ist). Vielleicht war ich ab hier schon zu negativ eingestellt – aber im weiteren Verlauf erwies sich das Buch als nicht praktikabel für unser oben beschriebenes Problem. Denn unser eigentliches Problem ist, dass wir nicht als Familie Hand in Hand organisieren – und somit einer die Arbeit des anderen schnell zu Nichte macht. Jedoch sind alle Beispiele, die im Buch gegeben werden, zum Großteil Beispiele von Einzelpersonen, die als Klienten zu Frau Kondo in die Beratung kamen. An einer Stelle wird vorgeschlagen, einfach selbst anzufangen – der Rest der Familie würde schon nachziehen – da kennt die Autorin meine Familie schlecht…

Es ist nicht so, dass ich nicht Ansätze übernehmen konnte – meine Kleidung z.B. habe ich nach der KonMari Methode ausgemistet – da ich eh gerade ausmisten wollte. Was soll ich sagen – genau so habe ich bisher IMMER meine Kleidung ausgemistet, ungefähr 2mal im hole ich mal alles aus dem Schrank und lege es ordentlich zusammen. Einzig die Faltmethode habe ich übernommen – obwohl diese keine große Neuigkeit war, denn bereits meine Austauschschülerin aus England packte 1996 ihren Koffer auf diese Weise, da die Kleidungsstücke so nicht knittern. Lediglich auf die Idee, meine Schubladen so einzuräumen, bin ich bisher nicht gekommen, also herzlichen Dank für den Denkanstoß. Ich kann mir auch vorstellen, dass durch diese Sortierung die Stücke, die weg müssen, einfach sofort auffallen, so dass ich ab jetzt gleich die Teile aussortieren kann, die ich nicht mehr haben will.

Dann kam jedoch der Punkt Bücher. Die Autorin schlägt vor, jedes Buch, dass man gekauft, aber noch nicht komplett gelesen hat, wegwerfen soll, wenn es einen nicht 100% glücklich macht. Auch Nachschlagewerke, die man nicht regelmäßig benutzt. Gefolgt von Ihren Ansichten, man sei eh schlauer, wenn man nicht so viele Bücher hat, weil man sich das Wissen eher aneignet – hier habe ich angefangen, das Kapitel nur zu überfliegen. Für mich definitiv nicht machbar – ich habe mein Büro für meine freiberufliche Tätigkeit in meinem Wohnraum integriert. Natürlich stehen hier viele Bildbände und Schnittwerke – einige davon benutze ich nur zu bestimmten Anlässen, so brauche ich meine Schnittwerke zur Braut-und Abendmode eben nur 1-2 mal im Jahr. Glücklich machen mich natürlich eher die Bildbände zur Braut-und Abendmode, somit müssten meine Schnittwerke nach der KonMari- Methode in die Tonne. In diesem Moment war fast das Buch „Magic Cleaning“ das erste, dass ich gemäß der Methode weggeworfen hätte, aber ich wollte es ja hier vorstellen, also weiter.

Im Prinzip wird jetzt der ganze Haushalt durchgegangen nach Kategorien – Kleidung, Bücher, Schriftstücke, Kleinkram und Erinnerungsstücke (als Familie mit komplettem Haushalt hat man aber auch noch Küchenutensilien – und gerade davon haben wir ja viel zu viel-, Gartenequipment und einige weitere Kategorien, zudem gibt es Gegenstände, die der Allgemeinheit gehören und nicht einer Person in der Familie) – und beim Thema Dokumente wird es dann fast fahrlässig. Gemäß der Methode macht Papierkram nicht glücklich, daher sei er sofort zu entfernen, wenn er „nur noch Informationszweck“ hat. Am Beispiel Gehaltsabrechnung hieße das, sobald diese geprüft ist, kann sie in die Tonne/ den Aktenvernichter. In Deutschland sollte man Gehaltsabrechnungen aber bis zur Rente aufbewahren – kann Frau Kondo als Japanerin nicht wissen, aber hätte hier nicht bei der Übersetzung zumindest eine Anmerkung gemacht werden müssen?

Nach erfolgtem Aufräumen geht es zu den Aufräumstrategien in Kapitel 4 – diesmal ist tatsächlich gemeint, was wir in Deutschland unter dem Wort verstehen, der immer wiederkehrende Prozess des Ordnung Haltens nach dem Ausmisten (kann jemand Japanisch und mir sagen, ob Ausmisten und Aufräumen dasselbe Wort im Japanischen sind – dies würde einiges erklären?). Und hier wird klar – auch in Japan wird nur mit Wasser gekocht, denn die Strategien „Alles an seinen Platz“, „Ein fester Platz für jeden Gegenstand“ und „Keine Stapeln, sondern stehendes Sortieren“ sind die Tipps, die sich auch in jedem mir bisher bekannten westlichen Haushaltsratgeber wiederfinden – nur dort netterweise wenigstens mit einem Beispiel für einen Haushaltsplan oder einer Checkliste. Das Kapitel – für mich und meinen Zweck ja das Wichtigste in diesem Werk – umfasst knapp 18% der gefüllten Seiten des Buchs.

In Kapitel 5 trägt die Autorin dick auf und beschreibt, wie sich das ganze Leben durch das Aufräumen nach ihrer Methode ändert. Ehrlich gesagt, dieses Kapitel habe ich nur noch überflogen – mein Leben ist gut, wie es ist, ich möchte nur ein paar mehr Aufgaben im Haushalt an meine Jungs delegieren bzw. mehr Hand in Hand als Familie den Haushalt schmeißen können. Da das Kapitel 5 stark ins Philosophische abtaucht – was für einige Leser durchaus das sein mag, was passt – meinem Mann brauche ich damit gar nicht zu kommen.

Mein Problem: das „exzessive Wegschmeißen“

Als umweltbewusster Mensch und als Mutter von 2 Kindern stört mich aber etwas anderes gewaltig an der Methode – der fast schon exzessive Wegwerfzwang von Frau Kondo. Immer wieder betont sie, dass egal welche Ausreden ihre Klienten brachten, sie es „natürlich wegwerfen ließ“ (schon allein diese Formulierung erinnert mich an „Muddi“, die mit erhobenem Zeigefinger neben mir steht…). Natürlich wirkt das Wegwerfen von Gerümpel und ungebrauchten Gegenständen befreiend – das leuchtet wohl jedem von uns ein. Aber mein Vorbild in Sachen Haushalt ist die Generation meiner Großmutter. Die Kriegsgenerationen bewundere ich nämlich für ihre Sparsamkeit – auf der einen Seite wird  alles aufgehoben (ein altes Bügeleisen kann immer noch als Ersatz dienen) während auf der anderen Seite eine solche Kreativität vorhanden ist, nicht vorhandene Dinge mit einfachen Mitteln zu ersetzen. Daher hat meine Oma mittlerweile das Sortiment eines ganzen Gemischtwarenladens in ihrer Wohnung OHNE das diese in dem Chaos, dass laut den Ausführungen von Frau Kondo vorherrschen müsste, versinkt. Bei der Kleidung spricht die Autorin noch davon, man müsse sie nach dem Waschen unbedingt bügeln und zusammenlegen (und möglichst nichts auf Bügel hängen), um ins Zwiegespräch mit der Kleidung zu treten und sofort zu sehen, wo geflickt oder ausgebessert werden muss. Einige Kapitel weiter kommt die Anweisung, die Tüten mit den Ersatzknöpfen sofort wegzuschmeißen, da man sie eh niemals annähen wird. War ich in Punkto „Mehr auf die eigene Garderobe zu achten“ noch voll dabei, reicht mir diese Unterstellung schon wieder vollends – denn wenn die Tipps aus dem Punkt Kleidung befolgt werden, ändert sich das „macht man eh nie“ vielleicht in ein „mache ich sofort“.

Und von der Nachkriegsgeneration können wir noch etwas lernen in Sachen Sparsamkeit – „Jeder Groschen, den Du nicht ausgibst, macht Dich reicher“. Für die Sachen, die nach der KonMari Methode weggeworfen werden müssen, hat man irgendwann mal gutes Geld bezahlt. Weitergeben ist nach der Methode verboten – aber auf die Idee, diese Gegenstände zu verkaufen, kommt Frau Kondo nicht. Weil man hinauszögern würde und sich eben doch nicht davon trennt, wenn es in Zeit x nicht verkauft ist. Alles logisch in der Argumentationskette der Autorin, aber nicht für alle Dinge praktikabel – eine Familie, die Kindersachen mal neu oder auch gebraucht kaufen musste, kann sich sicherlich denken, was ich meine. Die Autorin schreibt nichts Konkretes zu Ihrem aktuellen Familienstand, nur, dass sie in einer „Ein-Frau-Wohnung“ lebt, aber nach der Lektüre ist in meinem Kopf das Bild von ihr als Single in einer Wohnung, die aussieht wie in der Möbelausstellung – leer. Hier möchte ich der Autorin gern sagen, hör mal auf nur Aufzuräumen, gehe raus und lebe!

Und nur, um mal ein Beispiel zu nennen für den Verlust durch das Wegschmeißen – trotz innerlicher Sperre bin ich den privaten Teil meines Bücherschranks dann mal nach der KonMari Methode durchgegangen – die aussortierten Bücher habe ich nicht weggeschmissen, sondern habe mit der App Bonavendi mir die besten Ankaufpreise je Anbieter (momox, rebuy und Co.) auswerten lassen. Für meine 35 Bücher bekomme ich durch günstige Kombination 91,05 Euro. Haben oder nicht haben, mit der Methode wäre das Geld in die Tonne gewandert! Gerade heute musste ich für knapp 71 Euro die Schulbücher für meinen Ältesten kaufen – oder hätte ich das vielleicht gleich lassen sollen, weil sie meinen Sohn eventuell nicht glücklich machen? Egal, das Geld habe ich durch den Verkauf drin und mein Regal ist aufgeräumt. Für das Buch Magic Cleaning erhalte ich noch 3,96!

Fazit: Nicht mein Buch, auch wenn ich einige nützliche Tipps daraus ziehen konnte. Wie sieht es bei Euch aus, kennt Ihr das Buch? Oder findet Ihr andere Bücher zu dem Thema spannender?

P.S. – jetzt weiß ich, woran mich der Tonfall der Autorin ein wenig erinnert, nachdem ich gerade heute diese wunderschöne Dr. Oetker- Werbung aus den 50ern gesehen habe – ich möchte nochmal betonen, wie froh ich bin (so sehr ich den Stil dieser Zeit liebe) in einer Zeit zu leben, in der ich nur 50% der Verantwortung für die häusliche (Un)Ordnung zu tragen habe… Wie gesagt, es ist einfach nicht mein Buch, weil ich das Gefühl habe, meine Oma (bei der der Haushalt auf magische Weise von allein funktioniert) steht neben mir und schüttelt den Kopf, egal, wie sehr ich mich bemühe. Diese Einschätzung ist also eine rein subjektive Sichtweise – vielleicht ist es für Euch die Hilfe, auf die ihr gewartet habt.

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7 Kommentare zu „Rezension: Magic Cleaning

  1. Ich, als unglaublich ordentlicher Mensch (ich sortiere sogar mein Duschgel nach Größe und Farbe), kann mir immer nicht vorstellen wozu man solche Bücher braucht. Meine Freundinnen machen das ganz einfach: Sie laden mich ein, ich räume auf, bringe System in ihr Chaos und dafür machen sie etwas für mich, was mir nicht liegt: Kreatives Zeug oder Kochen oder sonst was…

    Von dem Buch habe ich bisher allerdings viel positives gehört.

    Das Problem ist nur: Kreative Menschen können nicht super ordentlich sein. Und ich bin eben kein bisschen Kreativ. Damit muss ich auch leben (wobei es früher in der Schule im Kunstunterricht eine wirkliche Qual war und in meinem Berufsleben völlig egal ist).

    Bücher wegschmeißen ist für mich auch ein Unding. Ich hebe nur Bücher auf, die ich nochmal lesen würde, alle anderen wandern zu Momox oder andere Anbieter und alle die nicht angekauft werden, spende ich an die Bibliothek.

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    1. Ich würde nicht mal sagen, dass in meinem Chaos so gar kein System ist- ich finde alles, ohne lange zu Suchen. Aber es stimmt schon bei kreativen Köpfen sieht es halt nicht aus wie im Möbelkatalog.
      Vor den Kindern haben mein Mann und ich uns z.B. perfekt ergänzt – er war ordentlich und ich sauber (in dem Sinne, dass Männer Staub erst ab ein Höhe von 3-5mm wahrnehmen;) ) – jetzt mit 2 Kindern und er in 3 Schicht haben wir halt manchmal wenig Zeit, uns abzusprechen und arbeiten dann gegeneinander – weil eben in der wenigen Zeit die Priorität nicht auf dem Haushalt liegt.
      Ich denke, ich habe einfach was anderes aus dem Titel erhofft. Wie gesagt, Kleidung und Bücher sortiere ich regelmäßig aus – verkaufe aber alles, was gut ist noch über Plattformen. Wir leben eh in einer Wegwerfgesellschaft, da muss es nicht sein, gute Dinge wegzuschmeißen.

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  2. Das Buch habe ich bisher noch ungelesen im Regal stehen. Ich gehöre eher zu denen, die an der Vergangenheit hängen und passe zudem in das Raster ‚kreativ‘. Ich lege wert auf eine ordentliche Wohnung, aber ich tue mich schwer damit, Dinge wegzuschmeißen. Ich bin gespannt, wie mir das Buch zusagen wird. 😉

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    1. Oh, lass bei Zeiten mal hören, wie es Dir erging, das würde mich sehr interessieren.

      Das Buch wird ja überall ziemlich hoch gelobt – und ehrlich gesagt, auch wenn ich was anderes erwartet habe, hat mich am Meisten der langatmige Schreibstil genervt. Und am Ende des Buches heißt es dann „ich würde gern vorher-nachher Bilder zeigen“ – wäre prinzipiell ja in einem Buch möglich und hätte viele, viele Worte gespart…

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  3. Ich hab‘ schon mal eine Rezension zu dem Buch gelesen und fand am Ende: das weiß ich eigentlich alles. Es ist ja nicht so, dass ich Ordnung nicht liebe und theoretisch weiß wie ich es tun sollte…nur dann kommt eben das wahre Leben dazwischen. Mein Fazit: ich liebe Ordnung; sie befriedigt mich zutiefst, ich kann sie nur leider nicht halten 😀

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    1. Ja, inhaltlich weiß man das alles schon – es ist meiner Meinung nach eher die Art, wie die Autorin darüber schreibt – sie macht ja eine Philosophie bzw. eine Religion daraus. Fast wie ein Buch über Yoga – die Frage ist, kann oder möchte man sich darauf einlassen – bei mir hat das wahre Leben, dass mir dazwischen funkt, eben Vorrang.

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