Aus dem Nähkästchen · Gedanken · Stil

Hängen gelassen – Freundschaft früher und heute?

Nennt mich altmodisch (ja, bin ich wohl zum Teil, immerhin schreibe ich einen Vintage Blog) – aber ich verstehe unter Freundschaft noch so was wie „Einer für alle, alle für einen“ – so wie beim A-Team oder den Musketieren. In meiner Kindheit was das auch so – ich hatte eine beste Freundin und mit ihr habe ich alles durchgestanden. Ich erwähnte neulich in meinem 50 facts about me bereits, dass ich sehr loyal bin. Einige meiner Freunde leider nicht so…

Besagte damalige beste Freundin auch nicht unbedingt immer. Ich erinnere mich an ein Dorffest mit Umzug, einige auserwählte Kinder durften für 20 Mark den Musikvereinen die Schilder voraus tragen. Meine Freundin hatte das Glück zu den Auserwählten zu gehören – ich leider nicht. Nach dem Umzug kam sie mir freudestrahlend entgegen „Jetzt können wir Karussell fahren“ – und ging an die Kasse. Voller Begeisterung ging ich mit ihr zum Karussell, wir setzten uns in eine Gondel – und dann durfte ich wieder aussteigen, weil meine Freundin eben nur für sich eine Fahrkarte gelöst hatte. Und so stand ich vor dem Karussell, während sie mir fröhlich zuwinkte. Ich glaube, was ich den restlichen nachmittag hatte, weiß sie vielleicht bis heute nicht, es gibt so Menschen, die bemerken solche Verhaltensweisen nicht mal. Und ich denke, es liegt auch nicht an jenem Nachmittag, dass wir heute kaum noch Kontakt haben.

Ich denke, im modernen Alltag kommen einem oft die Umstände in die Quere – Job, Familie, Vereinsarbeit, Nebenjob, zusätzliche Selbstständigkeit – oftmals hört man alle 3 Monate mal voneinander. Aber es gibt eben Menschen, mit denen fängt man dann jedes Mal wieder neu an – mit meiner o.g. Freundin ist es so – und es gibt die Menschen, bei denen ist es nach 2 Jahren so, als seien sie nie weg gewesen – denn lustiger Weise ist die kleine Schwester von besagter Freundin so ein Mensch für mich. Die anderen beiden sind die Patentanten meiner Söhne und eine Kollegin (die ich durch beiderseitiger Elternzeit gerade nicht soviel sehe).

Und dann gibt es Freunde, da macht auch die Entfernung nichts – und auch, dass sie eigentlich nur „angeheiratet“ sind – mein Mann beschwert sich manchmal etwas, ich habe ihm die beste Freundin weggenommen. 200 km sind manchmal egal, wenn es passt. Und dann gibt es noch Menschen, die kenne ich nicht einmal persönlich – die Muttis aus meiner Mamagruppe bei Facebook z.B.

Allerdings erlebe ich auch heute noch häufiger solche Karussell -Erlebnisse mit Freunden und ich frage mich verdammt nochmal wieso – wieso immer wieder ich? Da legt man Messetermine extra so, dass man mal in die Nähe von Freunden kommt, die weiter weg wohnen, erzählt das ein halbes Jahr vorher – und eine Woche vorher gibt es eine Einladung zum Grillen und ich bin uninteressant. Aber ich bin loyal – so etwas macht niemand absichtlich, aufstehen, Krönchen richten, weiter geht’s. Vielleicht mal ein paar Tage schmollen und Whats App auf lautlos. Zeitgleich habe ich für eben jene Freunde alle umgeplant und bin mehrere hundert Kilometer gefahren, um bei ähnlich „unwichtigen“ Terminen („Ist doch bestimmt nicht Deine letzt Messe…“) dabei zu sein.

Nun habe ich aber noch eine Freundin, bei der passiert mir das recht häufig und immer wieder. Wenn man nicht zur Hochzeit eingeladen wird oder zumindest davon in Kenntnis gesetzt wird – welchen Stellenwert hat man für diese Person?  Egal, kurz darauf sieht man sich und da ist es wieder, dass Gefühl, sie sei niemals weg gewesen. Und dann geht es im Leben dieser Person drunter und drüber – und man hört nichts von ihr. Und auf einmal ist sie wieder da – wie nie weg gewesen – und leiert einem einen riesen Gefallen aus dem Kreuz (also andere Menschen bezahlen in der Regel mehr als Materialkosten für ein Brautkleid). Und dabei bestätigt sie einen, man sei im falschen Job und man solle sich ja selbstständig machen. Natürlich platziert sie auch einen Auftrag. Aber sobald man um Hilfe bittet, fährt sie plötzlich alleine Karussell. Ich finde, potentielle Interessenten im Bekanntenkreis nennen und ein bißchen Mundpropaganda betreiben eigentlich nicht zu viel. Werbezettel mit Abreißnummer der eigenen Mutter mitgeben, damit diese solche in Supermarkt, Gemeinde- oder Hobbyraum aushängen kann. Irgendwas. Aber nicht „Wir haben hier grundsätzlich alle kein Interesse“. Ah ja, danke.

Besagte Freundin war auch schon selbstständig – obwohl teurer als vergleichbare Mitbewerber habe ich selbstredend bei ihr gekauft. Für mich selbstverständlich. Ist das die heutige Zeit oder liegt das an mir und meinen romantischen Vorstellungen? Was ist Freundschaft heute noch wert? Wieviel tut man noch für Freunde – soviel, dass es einen nicht noch „zusätzlich“ stresst? Freunde sollen ja Spaß machen, nicht Arbeit, da hat man eh schon genug davon.

Ende der Woche will die Freundin bei mir vorbeikommen – ich glaube ich fahre Karussell. Allein. Fröhlich winkend!

P.S. Ein wenig Off-Topic, aber das musste ich mir von der Seele schreiben. Gerade, weil ich noch eine ähnliche Situation im Büro mitbekommen habe und mich frage, wenn schon die besten Freunde zu Kollegenschweinen werden – was wird aus unserer Welt?

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